Aus Fehlern lernen

Lernen aus Fehlern ist als ein Spezialfall des erfahrungsbasierten Lernens anzusehen. Damit sind Handlungen gemeint, die als Folge eines Fehlerereignisses ausgeführt werden, z. B. Fehleranalyse, Ursachenforschung oder auch Suche nach Möglichkeiten zur Fehlerkorrektur.

Warum sind Menschen nicht gut darin, aus Fehlern zu lernen?

Die amerikanische Psychologin Kathryn Schulz schrieb in einem ihrer Aufsätze: „Von allen Fehlern, die wir machen, ist unsere Vorstellung von Fehlern wohl unser größter Fehler überhaupt, unser Metafehler“. Was sie damit meint, ist die irrläufige Meinung, dass Fehler machen ein Zeichen von Schwäche, Ignoranz, Unwissenheit oder gar mangelnder Intelligenz ist. Doch diese Vorstellung ist falsch – nur wer irrt, kann seine kognitiven Erkenntnisfähigkeiten, also seine Erfahrungen ausbauen. Aber warum lassen wir nicht zu, dass wir uns unseren Fehlern stellen, wenn man dadurch doch lernen und in der Persönlichkeit wachsen kann – sprich: Warum sind Menschen im Allgemeinen so schlecht darin, aus Fehlern zu lernen? Der Grund liegt in vier zentralen Ursachen:

  1. Recht haben tut gut – Unrecht haben schmerzt!
    „Recht zu haben“ verschafft uns ein Gefühl der Souveränität und Gelassenheit, führt aber auch dazu, dass wir übermäßiges Selbstvertrauen entwickeln und damit unsere Umwelt nicht mehr richtig wahrnehmen. Es fällt uns immer schwerer, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, da wir Fehler nicht zulassen und damit ein ausgewogenes Bewusstsein zu „richtig und falsch“ kippen kann. Das schmerzhafte Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben, bringt uns aber auf den Boden der Realität zurück und lässt uns unsere eigene und die von Dritten beschriebene Lebenssituation viel realistischer und ehrlicher erkennen. Begangene Fehler helfen zu objektivieren und besser zu beurteilen – vorausgesetzt man sieht die positive statt nur die schmerzliche Seite des Fehlers.
  2. Fehler machen ist kostspielig und unangenehm!
    In der Tat kann so mancher Fehler teuer werden – daher auch die Bezeichnung  „Lehrgeld“. Unser Körper reagiert sehr unangenehm auf Fehler. Neurowissenschaftler haben festgestellt, dass unser Gehirn auf Fehler mit ganz speziellen Signalen reagiert – Frustration, Demütigung, Schuldgefühl und Entmutigung sind nur einige Auswirkungen dieser Signale. Die dabei entstehende Scham, sich eventuell blamiert zu haben, verstärkt noch einen dadurch entstandenen Rückzugeffekt und die Ablehnung der Wahrheit. Die Belastung für unser Erfahrungsgedächtnis ist so groß, dass wir lieber leugnen oder dementieren. Ein positiverer Umgang mit Fehlern würde jedoch allen Beteiligten helfen.
  3. Negatives Wissen ist nicht gewünscht!
    „Nach Niederlagen und Irrtü­mern tendiert der Einzelne dazu, sich vor negativen Gefühlen wie Selbstzweifeln zu schützen“, schreiben US-amerikanische Forscher um Noelle Nelson von der University of Kansas. ,,Er sucht beispielsweise Ent­schuldigungen für sein Versagen oder spielt die Fehl­leistung herunter.“ Gerade bei kleineren Pannen nut­zen wir unsere kognitiven Ressourcen nicht für die ruhige Reflexion unserer Irrtümer. So fühlt man sich kurzfristig besser – hat jedoch für die Zukunft nichts gelernt.
  4. Eine falsche Fehlerkultur blockiert!
    Wer aus Fehlern lernen will, braucht ein Umfeld, das dies auch zulässt. Wenn wir uns in einer Fehlerkultur bewegen, bei der Fehler immer als existenzielles Versagen oder als Misserfolg dargestellt werden, dann werden wir die Chance des Lernens durch negatives Wissen nur eingeschränkt zulassen.

Wie lässt sich aus Fehlern lernen?

Um aus Fehlern zu lernen, ist es sinnvoll, den Anteil zu betrachten, der in mir als Person liegt, aber auch den Anteil, der auf die Gegebenheiten des Umfelds zurück geht. 

  1. Persönliches Zutun
    ,,Sich auf die unschönen Gefühle einzulassen, die nach ei­ner persönlichen Niederlage auftauchen, kann helfen, begangene Faux pas nicht mehr zu wiederholen“, ver­muten  die Psychologen um Noelle Nelson. Das Team untersuchte die Frage in nahezu iden­tischen Studien mit über 600 Probanden. Wie die Studienergebnisse zeigen, waren Teilnehmer, die sich ihren Gefühlen gestellt hatten, motiviert, ein erneutes Versagen zu verhindern – ganz im Gegensatz zu den Teilnehmern, die sich selbst schützen wollten und sich ihren Gefühlen nicht gestellt hatten.
  2. Unterstützung aus dem Umfeld
    Die Suche nach Schuldigen ist auch die Suche nach Vollkommenheit. Diese anzustreben ist legitim. Wer aber glaubt, er wäre perfekt, hört auf, es zu werden, so ein altes Sprichwort. Die grundsätzliche Akzeptanz des Unvollkommenen in uns erzeugt eine positive Fehlerkultur in Gesellschaft und Unternehmen. Die freie Kommunikation und der kontinuierliche Austausch über potenzielle oder begangene Fehler in Unternehmen schafft die Basis für einen angstfreien Dialog. Unternehmen, die gelernt haben, diesen angstfreien Dialog aufzubauen, sind nachweislich erfolgreicher als Unternehmen, die eine bestrafende Fehlerkultur bevorzugen. Daraus lässt sich ableiten, dass die Art und Weise des Umgangs mit Fehlern einen hohen Beitrag für das Lernen und letztlich auch die Persönlichkeitsentwicklung darstellt.
  3. Quellen:

     

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