Technostress?

 

Als Mensch, der die 90er – Jahre miterlebt hat, kann man bei dem Wort „Technostress“ schon mal spontan an Techno-Musik denken. Aber Technostress hat rein gar nichts mit Techno-Musik zu tun. Vielmehr bezeichnen Wissenschaftler hiermit einen negativen psychologischen Zustand, der mit der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien wie z.B. Laptop, PC, Tablet und Smartphone einhergeht. Aber was genau ist darunter zu verstehen und was kann ich aktiv tun, um Technostress zu reduzieren? 

Definition:

Technostress ist eine Unterkategorie des Phänomens Stress, der in alltäglichen Situationen verursacht wird, in denen es zu einer Überforderung des Benutzers durch neue technische Geräte oder Systeme kommt. Man kann also sagen, dass Technostress  eine Reaktion des Körpers auf die starke psychische Belastung ist, die durch die Technologienutzung hervorgerufen werden kann, wobei sie auch manchmal für den inneren Widerstand gegen Veränderungen, die neu eingeführte Technologien mit sich bringen, stehen kann.

Unterscheidung

P.E. Brillhart unterschied bereits im Jahr 2004 vier Kategorien von Technostress.

  1. Data Smog: Darunter wird Stress verstanden, der durch den Informationsüberfluss des Internets verursacht wird. Im Rahmen einer Studie mit über 1000 Business-Managern wurden die Auswirkungen dieser Überinformation zu einer neuen Technik-Krankheit erhoben – dem so genannten „Information Fatigue Syndrome“.
  2. Multitasking Madness: Im Allgemeinen wird von Arbeitnehmern heute erwartet, wofür das menschliche Gehirn eigentlich nicht geschaffen ist – das Erledigen mehrerer Dinge gleichzeitig. Dies hat laut Studien zur Folge, dass zum einen die Effizienz der Arbeit leidet und zum anderen sich das Stresslevel erhöht.
  3. Computer Hassles: Damit sind die „kleinen“ Probleme wie Ladeschwierigkeiten, zu viel Spam, ein Virus oder auch der Systemabsturz gemeint. In einer Linzer Studie wurde nachgewiesen, dass Technostress – etwa durch abstürzende Computer – das Stresslevel der Benutzer massiv beeinflussen und zu gesundheitlichen Problemen führen kann. In solchen Situationen setzen sich im menschlichen Körper biologische Prozesse in Gang, wobei dieser von Männern intensiver erlebt wird als von Frauen.
  4. Burnout: Brillhart sieht auch Burnout als eine Form des Technostresses an, wobei dieser wohl eher einer von vielen Faktoren ist, die zum Burnout führen können. 

Aktuelle Studien

In Studien konnte gezeigt werden, dass es Unterschiede in verschiedenen Kulturen hinsichtlich der Verbreitung von Technostress gibt. Während in China keine negativen Auswirkungen auf die Leistung der Mitarbeiter nachgewiesen werden konnten, zeigte sich in Nordamerika eine verringerte Produktivität aufgrund von Technostress.

Wie bereits erwähnt, existieren auch Gender bezogene Studien, die zeigen, dass Männer in der Regel Technostress häufiger wahrnehmen als Frauen. 

In einer weiteren Studie der Uni-Bamberg konnte für den privaten Bereich festgestellt werden, dass Stress sowohl durch Übernutzung als auch durch den Entzug von Facebook entstehen kann. „Der Stress resultiert nicht zwangsläufig aus der Technologie, die man nutzt, sondern aus der Informationsflut, die man nicht mehr richtig verarbeiten kann“.

Diese Erkenntnisse lassen sich auch auf das Arbeitsumfeld übertragen. Dafür spricht ein Anstieg an Burnout-Erkrankungen bei Veränderungen im Einsatz von IT in Unternehmen. Das Unverständnis bei der Bedienung neuer IT könne Stress verursachen, der wiederum im schlimmsten Fall zu krankheitsbedingten Ausfällen führen kann. So wird Technostress zum Kostenfaktor für ein Unternehmen. Auch konnte gezeigt werden, dass vor allem Mitarbeiter(innen) mit einem IT-fernen Bildungshintergrund besonders stark betroffen sind. 

Tipps

Technostress macht nachweislich krank. Er kann zu Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, Müdigkeit oder Bluthochdruck führen. Was also tun?

  1. Schalten Sie die Hinweistöne aus: Es kann helfen, wenn sich neue Nachrichten nicht mehr so aggressiv ankündigen und es reicht ja auch, wenn auf dem Display das Eintreffen einer neuen Nachricht angezeigt wird.
  2. Konzentrieren Sie sich auf eine Aufgabe: Legen Sie das Smartphone ganz beiseite, wenn Sie sich auf eine Aufgabe konzentrieren wollen. Sich konzentriert auf eine Sache zu fokussieren, kann für einen sogenannten Flow sorgen, der uns wiederum tief und nachhaltig befriedigt und den Technostress vermeiden hilft.
  3. Treffen Sie Kommunikationsvereinbarungen. Zum Beispiel, dass Sie beim Essen in der Mittagspause oder in Besprechungen nicht auf das Smartphone schauen, sondern sich auf das gemeinsame Gespräch konzentrieren.
  4. Richten Sie sich bestimmte Zeiten ein, in denen Sie Mails beantworten. Durch eine solche Struktur können Sie alle Antworten in einem Schwung erledigen und sich anschließend konzentriert anderen Aufgaben widmen.
  5. Achten Sie auf das Equipment: Da schlechtes technisches Equipment auf Dauer krankmachen kann, sollten Sie darauf achten, zeitgemäßes Equipment zu nutzen oder sich zumindest nicht gegen den Austausch von IT-Hardware durch den Arbeitgeber zu wehren. 
  6. Machen Sie Pausen: Es konnte nachgewiesen werden, dass das Ausführen von Aufgaben am Computer im Vergleich zur Aufgabenerledigung ohne Computer zu signifikanten Erschöpfungszuständen führt. Für Menschen, die permanent am Computer arbeiten, empfehlen sich regelmäßige Pausen, d. h. nach jeder Stunde vor dem Computer sollte man mindestens fünf Minuten aufstehen und sich bewegen.

Übrigens nimmt Technostress mit zunehmendem Alter, Ausbildungsgrad und Selbstvertrauen in der IT-Nutzung ab.

Quellen
Brillhart, P.E. (2004) Technostress in the Workplace: Managing Stress in the Electronic Workplace. Journal of American   Academy of Business, Cambridge, 5, 302-307.
Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Riedl, R. (2013). Mensch-Computer-Interaktion und Stress. HMD – Praxis der Wirtschaftsinformatik, 50, 97-106.

http://de.wikipedia.org/wiki/Technostress (18-04-17)
www.uni-bamberg.de/universitaet/aktuelles/news/artikel/detail/News/technostress

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